Das zweite Element der Neuen Autorität

Familienberatung / Lerntraining

Präsenz beschreibt alle Handlungen und Haltungen, mit denen Eltern bzw. Bezugspersonen ausstrahlen: „Ich bin hier und ich bleibe da, egal was kommt.“

Es ist wichtig, dem Kind zu signalisieren, dass ich als Eltern bzw. Bezugsperson da bin und Interesse an ihren / seinem Leben habe. Ich kann als Elternteil mein Kind nicht kontrollieren, sondern ich kann nur meine eigenen Handlungen kontrollieren und dadurch die Präsenz verstärken und klar machen.

Präsenz ist erlern- und auch lehrbar. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt, dabei ist wichtig dran zu bleiben, um eine elterliche Beziehung zu ihrem Kind herzustellen. Beziehung heißt einen guten Draht zu haben, aber auch Grenzen zu setzen, um das Wohl ihres Kindes zu wahren. Kinder brauchen Ankerpunkte, auf die sie sich verlassen können und das sind in den meisten Fällen zum Glück die Eltern.

Um den Bezug zum Schiff wieder herzustellen ist die Präsenz und die wachsame Sorge der Anker bzw. der Hafen, wo das Schiff zurück kommen kann, um in Sicherheit zu sein bzw. in stürmischen Zeiten zu wissen, im Hafen angekommen, kann es wieder zur Ruhe finden und Kraft tanken. Um für die nächste Fahrt bereit zu sein.

Wachsame Sorge bedeutet aktiv und respektvoll am Leben des Kindes teilhaben zu wollen. „Dahinter steht die Haltung „Alles was mit meinem Kind passiert ist mir wichtig! Ich möchte im Bilde bleiben und Anteil am Leben meines Kindes nehmen.““ Zitat aus dem Buch „Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern S. 20

Im Buch werden drei Ebenen der wachsamen Sorge beschrieben:

  1. offene Aufmerksamkeit = dem Kind Aufmerksamkeit schenken – Interesse zeigen
  2. fokussierte Aufmerksamkeit = gezieltes Nachfragen, wenn etwas besorgniserregendes passiert ist.
  3. aktive einseitige Maßnahmen = aktive Maßnahmen setzen, um das Kind vor Gefahren zu schützen

Was bedeutet das im Bezug auf das Lernen?

Von klein auf wollen Kinder gesehen werden und vermitteln uns somit, dass unsere Präsenz gewünscht ist, ansonsten fordern sie diese ein.

Gerade im Schulalltag kapseln sich die Kinder wieder ein Stück weit von den Eltern ab, daher ist es wichtig das vom Erwachsenen aus die Präsenz gezeigt wird.

  1. Erkundige dich bei deinem Kind, wie der Schulalltag war, ob irgendetwas spannendes bzw. schönes passiert ist? Welche Aufgaben sind am Nachmittag zu machen?
  2. Mit wem treibt sich dein Kind aktuell herum, wer sind die Freunde und wo wohnen sie. Erlaube deinem Kind die Freunde auch einmal einzuladen, um sie kennen zu lernen.
  3. Welche Gedanken und Fragen beschäftigen gerade dein Kind? Braucht es von den Eltern eine Unterstützung oder gibt es Fragen, die sie geklärt haben möchten.

Bei herausfordernden Situationen im Schulalltag z.B. Schule schwänzen, Aggressionen, …. ist es auch wichtig beharrlich zu sein, was bedeutet die Situation mal ruhen zu lassen, aber zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe wieder aufzugreifen und zu besprechen. Späterer Zeitpunkt heißt zeitnah, also am selben Tag am Abend oder am nächsten Tag. Dranbleiben und Wartenkönnen baut neue tragfähige Brücken.

Viel Freude bei der Präsenz und wachsamen Sorge im Leben eures Kindes.

Alles liebe Corinna

Buchtipp: „Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern“ Haim Omer und Philip Streit

Das erste Element der Neuen Autorität

Familienberatung / Lerntraining

Kinder brauchen einen Rahmen, an dem sie sich orientieren können und der ihnen Halt gibt. Wenn sie selbst für die Bedürfnisbefriedigung verantwortlich wären, sind sie heillos überfordert. Kinder wissen noch nicht was richtig und was falsch ist, daher brauchen sie Erwachsene die ihnen einen Rahmen vorgeben. Wichtig ist, dass der Rahmen bzw. die Struktur individuell auf das Kind angepasst wird.

 Je nach Entwicklungsstand und Bedürfnisse kann der Rahmen enger oder weiter sein, dies ist von Kind zu Kind individuell und soll regelmäßig reflektiert werden. Kinder brauchen Ordnung, weil es ihnen Orientierung und Sicherheit gibt. Kinder können vorausschauen, wenn Strukturen, Verhaltensweisen und Konsequenzen von den Eltern regelmäßig eingeführt und eingehalten werden. Eine fehlende Ordnung kann kindliche Ängste verstärken, d.h. klare Regeln reduzieren bei Kindern Ängste. Struktur wirkt sich positiv auf die Entwicklung und das Wohlergehen der Kinder aus.

Rituale und Regeln können helfen den Rahmen abzustecken. Regeln sind wichtige Eckpfeiler in der Familie, an die sich alle Beteiligten halten und somit Halt und Verlässlichkeit geben. Rituale sind wiederkehrende Handlungen, die Kindern dabei helfen sich auf die bevorstehende Situation vorzubereiten oder einzustellen. Rituale können individuell und kindgerecht gestaltet werden, dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. z.B. Ritual vor dem Schlafen gehen eine Geschichte lesen, vor der Hausübung zur Lieblingsmusik tanzen etc.

Auf einem Schiff gibt der Kapitän die Struktur vor, in dem er Anweisungen erteilt und Regeln aufstellt, um das Schiff wieder sicher zurück in den Hafen zu bringen. Du bist im Leben deines Kindes zu einem gewissen Alter der Kapitän und irgendwann übernimmt das Kind selbst die Rolle, zu erst Teile und irgendwann ganz.

Was bedeutet das im Bezug auf das Lernen?

Kinder lernen von Geburt an, also ist es wichtig hier schon Struktur und Rahmen zu schaffen und zu geben. Dies ist bereits eine Vorbereitung für das schulische Lernen, weil wenn Kinder von zuhause Strukturen kennen, fällt es ihnen oft leichter im Schulalltag Struktur und Ordnung zu schaffen, als wenn sie im „Chaos“ groß geworden sind.

Beim schulischen Lernen ist es wichtig das Kind zu begleiten und dabei zu unterstützen eigene hilfreiche Strategien zu entwickeln. Strategien sind Verhaltensweisen, um mit anstehenden Situationen umzugehen oder Dinge zu meistern bzw. zu bewältigen. Kinder bringen die ersten eigenen Strukturen ein, welche sich durch wiederkehrende Rituale, eigene Regeln oder Strategien zeigen und durch Wiederholungen gefestigt werden. Es gibt nützliche Strategien, Regeln und Rituale, aber auch welche, die mit der Zeit nicht mehr hilfreich sind und somit ersetzt werden.

Zur schulischen Strukur gehört: den Lernstoff einteilen, die Hausübungs- und Freizeit planen, in der Schultasche Ordnung schaffen, am Rahmen in der Schule orientieren, etc….

Tipp: Zeige deinem Kind, wie du Dinge strukturierst, wie planst du Termine, etc. von dir können die Kinder vieles beobachten, lernen und vielleicht übernehmen. Wo wir wieder bei der Vorbildwirkung gelandet sind. 🙂

Viel Freude beim Rahmen schaffen und Strukturen einbauen. 🙂

Alles liebe Corinna

Buchtipp: „Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern“ Haim Omer und Philip Streit

Lernen durch Vorbilder

Familienberatung / Lerntraining

Gerade im Kontext Schule habe ich schon erlebt, dass manche Eltern gegenüber dem System eine negative bzw. schlechte Einstellung haben. Eltern schimpfen über Lehrer, die Hausaufgaben, den Lernstoff, etc., vielleicht weil sie selber in der Schule schlechte Erfahrungen gemacht haben und nicht aus der eigenen Haut raus können. Macht es das für die Kinder leichter?

Nein!!!

Kinder brauchen Vorbilder, von denen sie lernen können. Kinder lernen von der Geburt an von Vorbildern. Vorbilder können sein Eltern, Geschwister, Großeltern, Helden aus Kindersendungen, Pädagogen, Lehrer etc. Sie beobachten uns genau und nehmen uns unter die Lupe. Kleinkinder ahmen unsere Handlungen und unsere Sprache nach, aber auch Schulkinder interessieren sich für unsere Vorgehens- und Denkweisen.

Visualisierung Offenheit Respekt Beziehung Idole Lernen Denken

Wichtig ist es, dass Eltern sich über ihre Einstellungen und Handlungen bewusst werden. Wie denke ich über die Schule? Wie waren meine Erfahrungen als Kind? Wie reagiere ich, wenn mein Kind mit einer schlechten Note heim kommt? …. Selbstreflexion heißt das Zauberwort – nimm dir die Zeit, um deine eigenen Handlungen und Einstellungen zum Thema Lernen und Schule bewusst zu machen. Wenn wir uns unserer Handlungen und Einstellungen bewusst sind, können wir entscheiden, was wir unserem Kind mitgeben möchten.

Wichtig dabei ist, das Vorbild sein nicht heißt dem Kind Verantwortung abzunehmen. Kinder sollen von Beginn an in der Schule die Chance erhalten selbstbestimmt und verantwortlich zu agieren und sich Strategien dafür bei uns abzuschauen.

Also nimm dir die Zeit, um über deine eigene Schulzeit nachzudenken und vielleicht erzählst du auch deinem Kind davon, dass stärkt die Beziehung.

Beim gemeinsamen Lernen können sich Kinder Lernmethoden und Lernstrategien von Eltern abschauen oder durch Unterstützung eigene entwickeln.

„Auf Kinder wirkt das Vorbild nicht die Kritik.“ Heinrich Tiersch

Lachen und Lernen

Lerntraining

Heute ist der Weltlachtag! (03.Mai.2020)

Das nahm ich mal als Anlass, um einen Blogbeitrag zu schreiben, welche Auswirkungen Lachen auf das Lernen hat.

Britische Forscher haben ermittelt, dass Kinder etwa 400 Mal am Tag lächeln und bis 150 Mal lachen. Leider zeigt die Studie auch, dass das Lächeln verloren geht. Erwachsene lächeln nur noch 15 Mal und bringen es 6 Mal zum Lachen. Für viele beginnt mit der Schule der „Ernst des Lebens“, aber genau da ist Humor und Lachen ein wichtiger Wegbegleiter. Auch der „Ernst des Lebens“ darf Spaß machen.

4 Gründe, warum es sich auszahlt beim Lernen zu lachen:

1. Lächeln macht gute Laune und wirkt sympathisch

Kinder oder Erwachsene, die einem mit einem Lächeln entgegentreten, wirken offen, aufgeschlossen für Kommunikation und sympathisch. Als Gegenüber kann ich nicht aus, außer zurück zu lächeln. Forscher stellten in verschiedenen Studien fest, dass ein Lächeln sofort glücklicher macht und eine bessere Stimmung hervorruft. Also warum nicht bei Hausübungen und Lernsituationen ein Lächeln einsetzen?

2. Lachen erleichtert das Lernen und steigert die Merkfähigkeit und das Erinnerungsvermögen

Die Auswirkung von Lachen auf Lernen wird unterschätzt, weil Lachen in Zusammenhang mit Freude und Zufriedenheit beschränkt wird. Aber gerade beim Schullernen, wo ich auch Dinge lerne, die einem schwer fallen ist es wichtig sich Situationen zu schaffen, wo ein Lächeln oder Lachen möglich ist. Lachen steigert die Lernfähigkeit.

Hier zwei Studien dazu:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1074742707000299

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0001691809000729

Durch die positive Emotion beim Lernen, kann das Gelernte leichter gespeichert und abgerufen werden. Es steigert die Merkfähigkeit und unser Erinnerungsvermögen. Den an eine Situation, die mit einem Lächeln stattgefunden hat, kann sich unserer Gehirn leichter erinnern. Trau dich Lernmethoden einzusetzen, die Spaß machen oder zumindest ein kleines Lächeln fordern.

3. Lachen fördert die Kreativität und Leistungsfähigkeit

Lachen ist gesund und verbessert die Leistungsfähigkeit. Laut dem kanadischen Psychologen und Lachforscher Rod Martin beschleunigt Lachen unseren Herzschlag, was dazu führt, dass unser Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Humor verschafft uns eine Auszeit von Problemen und erleichtert uns die Herangehensweise, um Lösungen zu finden. Wenn jemand bei Missgeschicken lacht fördert es die Kreativität und Lösungen sind leichter greifbar. Fehler dürfen mit Humor und Kreativität gemeistert werden. „Aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug.“

4. Lachen verbessert das eigene Körperempfinden

Kinder, aber auch Erwachsene, die lächeln fühlen sich in ihrem Körper wohler. Das Lachen hat Auswirkung auf die Aktivität und die Gesundheit. Wenn ein Kind einen Erwachsenen anlächelt, lächelt der automatisch zurück. Dank unseren Spiegelneuronen, dies löst im Körper ein Glücksgefühl aus und verbessert augenblicklich das eigene Körperempfinden. Die ausgeschütteten Endorphine beim Lachen sorgen für ein Glücksgefühl, aber sie sind auch entzündungshemmend, schmerzstillend und angstlösend. Also Tipp für einer Prüfung, bevor es los geht einmal Lachen.!

Wenn du Lust auf eine Aufgabenstellungen zum Thema Lachen mit deinem Kind hast, dann drück auf den Button. 😊

Gefühle sind Empfindungen, keine Krankheit

Familienberatung / Lerntraining

Gefühle sind Empfindungen, die unserer Erleben und unsere Handlungen beeinflussen. Gefühle sind keine Krankheit, sondern machen einen Menschen menschlich, empathisch und authentisch.

Fragen, um über die Gefühle meines Gegenübers mehr zu erfahren:

  • Wie geht es dir mit der Situation?
  • Welche Gefühle sind da? Welche Gefühle treten bei der Situation auf?
  • Wo spürst du das Gefühl?
  • Woran erkennst du, dass du …. bist?

Kinder brauchen Vorbilder, um Gefühle verstehen zu lernen. Keine Angst vor dem Zeigen deiner Gefühle, deinem Kind gegenüber, aber die Sprache, sollte kindgerecht sein. z.B. Ich bin traurig, weil mir heute ein Fehler passiert ist. Kinder orientieren sich an Erwachsene oder ältere Geschwister.

Hinschauen. Hinhören und Hinfühlen.

Viel Spaß mit dem Video. 🙂

Achtsame Auseinandersetzung mit deinen Gedanken

Familienberatung / Lerntraining

In diesem Video erfährst du, warum es wichtig ist, sich mit den eigenen Gedanken achtsam auseinander zusetzen.

In herausfordernden Zeiten oder Krisen kreisen kreisen Gedanken um negatives. Du machst dir vielleicht Sorgen über finanzielles, hast Angst, krank zu werden oder stehst unter Druck bzw. Stress, weil die Kinder zu Hause zu betreuen sind und die Arbeit als Homeoffice ausgeführt werden soll.

Gerade jetzt ist es wichtig sich Zeit für seine Gedanken zu nehmen, um sie wieder in eine positive Richtung zu lenken. Die Gedanken beeinflussen unsere Gefühle, unser Erleben und unsere Handlungen. Dazu gibt es eine Übung „Die Fragen für den Tag“. Sie teilt sich in 2 Phasen, eine am Morgen zum Wachwerden und eine am Abend vor dem Einschlafen.

Die Morgenfragen lenken die Gedanken in eine achtsame und positive Richtung und aktivieren unsere Gehirnzellen. Hilfreich, um munter zu werden.

Die Abendfragen helfen dabei, das Erlebte zu reflektieren und die Gedanken zu sortieren. Hilfreich, um besser einzuschlafen.

Die Übung kann als Ritual gemeinsam mit eurem Kind eingeführt werden.

Viel Freude und achtsame Momente mit euren Gedanken.

Was willst DU erreichen?

Familienberatung / Lerntraining

Im Video hörst du eine kleine Übung aus dem Buch „Der wundervolle Luftballon“ aus dem Buch Lernen mit Zauberkraft von Hedy Lötscher – Gugler. Es geht um Ziele, Träume und Wünsche, die erreicht und in Erfüllung gehen dürfen.

Unser Gehirn braucht Ziele, die es erreichen möchte, um zu wissen für was sich die Anstrengung oder der Weg lohnt.

Nehmt euch Zeit und erarbeitet mit eurem Kind ein Ziel, was es als nächstes erreichen möchte. Je konkreter das Ziel formuliert ist, desto leichter kann euer Kind kontrollieren, ob es am Weg zum Ziel ist bzw. das Ziel erreicht hat.  Hier sehen sie als Papa bzw. Mama, welches Ziel ihr Kind hat. Erwachsene haben auch Ziele, diese kannst du deinem Kind auch mitteilen.

Fragen, die euch bei der Zielformulierung unterstützen: Was möchte ich erreichen? Woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht habe? Was hat sich verändert, wenn ich mein Ziel erreicht habe? Wer oder was kann mich bei der Erreichung meines Zieles unterstützen? Bis wann möchte ich mein Ziel erreichen?

Wichtig Ziele müssen positiv formuliert sein, sonst weigert sich unser Gehirn es zu erreichen. Euer Kind kann sich das Ziel auch aufzeichnen, um es vor Augen zu haben.

Viel Spaß beim Ziele setzen. 🙂

Homeschooling in Australien

Lerntraining

Das größte Klassenzimmer der Welt

Die drei Schularten in Australien

In Australien gibt es riesengroße scheinbar menschenleere Gebiete. In Wahrheit sind fast alle Regionen besiedelt – allerdings ausgesprochen dünn. Einzelne Farmen erstrecken sich über Gebiete zwischen tausend und zehntausend Quadratkilometern. Aufgrund des trockenen Bodens wird in erster Linie Viehzucht betrieben. Auf diesen Farmen sich auch Kinder zu Hause, die ganz anders aufwachsen als ihre Altersgenossinnen und – genossen in den Großstädten des Küstengebiets. In den Küstenstädten sind rund 90 % der Australierinnen und Australier zu Hause. Ihre Schulen unterscheiden sich nicht wesentlich von europäischen Schulen. Manche Farmkinder gehen auch in Städten zur Schule, leben allerdings im Internat, denn ihr Schulweg wäre zu weit.

Die meisten Farmkinder bleiben jedoch auf den Farmen. Ihr Schulweg würde bis zu 1000 Kilometer betragen, tatsächlich ist er meistens sehr kurz – nämlich nur ein paar Schritte bis vor den Computer oder das Funkgerät. Dort treffen sie sich mit ihren Mitschülerinnen, Mitschülern und Lehrkräften in der „School of the Air“, dem größten Klassenzimmer der Welt. Über das Internet oder mit Hilfe von Funkgeräten wird gelernt und getratscht. Die Kinder können Neuigkeiten aus ihrem Erlebnisumfeld berichten z.B. über ihre Lieblingstiere und das Leben auf der Farm.

Die Betreuerinnen und Betreuer

Meistens betreuen die Eltern die Kinder bei den Fernkursen. Die Betreuungspersonen müssen keine ausgebildeten Lehrkräfte sein. Sie erhalten Stundenpläne mit Angaben über die Zeit, die Schülerinnen und Schüler für die einzelnen Fächer aufwenden sollen. Sie organisieren unter anderen den schulischen Arbeitsplatz zu Hause, achten auf die Einhaltung der täglichen Routine, beaufsichtigen, überprüfen und besprechen die schriftlichen Fernkurse und elektronischen Übungen.

Wie es zur „School of the Air“ kam

1916 begann man in Australien, für Kinder im Hinterland den Schulunterricht in schriftlichen Fernkursen anzubieten. Diese Ausbildungsmöglichkeit wurde gerne angenommen, da Internat, Hauslehrerinnen und -lehrer für viele Farmer teuer waren. Ein Nachteil der „School of the Air“ besteht allerdings darin, dass die Kinder beim Lernen oft allein sind. Die Eltern, Geschwister oder eigens angestellten Tutors schlüpfen in die Rolle einer Ersatzlehrperson.

Die erste Funk-Schule wurde 1951 in Alice Springs eröffnet. Allein diese Schule versorgt bis heute ein Gebiet von über 1,3 Millionen Quadratkilometer, das entspricht etwa der zwanzigfachen Fläche Österreichs. In diesem Gebiet leben nur rund 140 Schülerinnen und Schüler, die bis zu 1000 km vom Schulgebäude entfernt wohnen.  Insgesamt gibt es neun Klassen, in denen Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren unterrichtet werden. Früher erhielten die Schülerinnen und Schüler Informationen zu ihrem Lernstoff über Radio und der Lkw, der die Rinder von den Farmen abholte, brachte ihnen die Lernunterlagen. Über Funk konnten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften besprechen, was sie nicht verstanden hatten. Probleme gab es oft wegen schlechter Übertragungsqualität. Heute nutzen Eltern und Kinder meist das Internet.

Der Unterrichtsalltag

Die Lehrpersonen sitzen in der Schaltzentrale der „School of the Air“. Von dort aus vergeben sie via Email, Videochat oder Funk die Übungen und kontrollieren die Hausübungen. Pro Woche hat jede Schülerin und jeder Schüler zehn Minuten private Lernzeit mit der Klassenlehrerin / dem Klassenlehrer. Diese Schulstunden ergänzen die Arbeit an den Fernkursen zu Hause, für die die Schülerinnen und Schüler fünf bis sechs Stunden pro Tag an sechs Tagen der Woche aufwenden. Zu Beginn jeder Stunde melden sich alle Kinder. Wer sich nicht meldet, wird angerufen. Die Unterrichtseinheiten sind nicht länger als 20 bis 30 Minuten, da die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern bei dieser Art von Unterricht sehr kurz ist. Auch Wahlfächer wie Kochen, Erste Hilfe, Drogenberatung, Kunsthandwerk usw. werden über Funk angeboten.

Zu Beginn jedes Schuljahrs treffen sich die Kinder in der Schule. Dort lernen sie ihre Klassenkameradinnen und -kameraden und Lehrkräfte kennen. Ansonsten sehen sie sich normalerweise hauptsächlich via Webcam. Wenn die Eltern eine der seltenen Einkaufsfahrten machen, kommen die Kinder mit und verbringen ein paar Stunden in der „School of the Air“.

Lehrerinnen und Lehrer auf Hausbesuch

Einmal im Jahr machen die Lehrerinnen und Lehrer ihr Rund durchs Land, um ihre Schülerinnen und Schüler zu besuchen. Dabei reisen sie mit dem schuleigenen Jeep oder mit dem Flugzeug Tausende von Kilometern, auch um die Lernumgebung zu sehen und die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler kennen zu lernen. Zu den Voraussetzungen für eine Lehrerin oder einen Lehrer an der „School of the Air“ gehört beispielsweise, dass man Reifen wechseln oder einfache Reparaturen ausführen kann.

Die Lehrerinnen und Lehrer müssen wegen der riesigen Entfernungen oft im Elternhaus ihrer Schülerinnen und Schüler übernachten und lernen so deren familiäre Umgebung besser kennen als die meisten Lehrkräfte, die „normale“ Klassen unterrichten.

Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Infos aus dem Buch: Deutschstunde 2. Klasse; Autor: Leb, Bergthal, Erlacher, Sonnleitner, Verlag: Veritas; http://www.australien-info.de (Stand: 16.01.2018)

Wie strukturiere ich einen Lernalltag?

Lerntraining

Wie im Video erklärt ist es wichtig, den Lernalltag zu strukturieren. Vorallem in herausfordernde Situationen ist es umso wichtiger, weil das Familienleben neu geordnet werden muss. Fragen die dabei behilflich sein können sind:

Wann beginnt der Lernalltag? Welche Fächer werden gemacht und wie lange? Wo und wie lernt das Kind? Wofür ist das Kind selbst verantwortlich? Wobei kann ich, als Elternteil, mein Kind aktiv unterstützen? Wann werden Pausen gemacht? Wie wird die Pause verbracht?

Pausen sind wichtig, damit der Körper und das Gehirn sich entspannen können. Die Pause kann für Bewegung, Essen, Trinken oder einem Spaziergang an der frischen Luft genutzt werden.

Tages- und Wochenaufgaben können für jede Woche gesammelt werden, Aufgaben die Spaß, aber auch Anstrengung erfordern dürfen vorhanden sein z.B. Mind Map erstellen, Vokabeln lernen, … etc.

Beim Lernen zuhause sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Homeschooling ist für Eltern und Kinder eine neue und lehrreiche Situation.

Viel Spaß bei der neuen Chance als Familie zu Wachsen.